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Krippen: Stormarn gehen die Erzieher aus


Erzuieherin Antja Hammann mit (v.l.) Christin, Anny, Anneken und Tamara in Hamberge freuen sich schon jetzt auf die zehn zusätzlichen kleinen Besucher zum Jahreswechsel in ihrem Regenbogen-Kindergarten. Die können aber nur kommen, wenn es auch qualifizierte Betreuer gibt. Foto Krog.


 

Stormarns Kommunen, Kirchengemeinden und andere schaffen zwar neue Krippen ­ aber dafür gibt es kaum noch Personal.

 

Von Uwe Krog

 

Hamberge - Es war nur noch eine Formsache, um den Umbau des Evanqelisch-Iutherischen Kindergartens von Hamberge auf den Weg zu bringen. Am Mittwoch jetzt stimmten die Gemeindevertreter dem Beschluss zu. Nun wird der ,Regenbogen" um zehn Krippenplätze erweitert.

 

Ein aufwendiges Unterfangen: Die Baukosten belaufen sich auf schätzungsweise 244 000 Euro. 140 000 Euro davon kommen aus Bundesmitteln des Investitionsprogramms "U-3", mit dem der gesetzlich vorgegebene Ausbau der Krippenplätze in den Gemeinden unterstützt werden soll. Den Rest teilen sich die Gemeinden Wesenberg und Hamberge im Verhältnis acht zu zwei. Hamberge muss aus eigenen Mitteln 83 000 Euro aufbringen. Die Kirche als Träger soll das Geld einwerben, was wohl gelingen mag. Doch Pastor Erhard Graf fürchtet, die Erzieherstellen nicht besetzen zu können.

 

„Hier" sagt KindergartenIeiten Sylvia Klafack, „werden neue Wände eingezogen, Raume werden anders geschnitten - und vor allem wird der Dachboden auggebaut." Die Erzieherinnen bereiten sich auf Unruhe vor, auf Ausräumen, auf Umgestalten, auf Baulärm. Dennoch blickt die Leiterin frohgemut auf die Fertigstellung zum Jahresende. „Dann haben wir auf dem Dachboden eine große Fläche, auf der die Kinder bei schlechtem Wetter viel Platz zum Toben haben" . Doch wer betreut die Kinder?

 

„Der Markt an qualifizierten Erziehern ist leergefegt“, bedauert der Pastor. „Und wenn wir geeignetes Personal finden, dann reißen wir bei anderen eine Lücke. Freie Stellen für Erzieher und Erzieherinnen bewirkten immer eine Kettenreaktion." Damit stehen die Hamberger nicht allein.

 

„Ab August kommenden Jahres gibt es einen Rechtsanspruch für jedes Kind auf einen Krippenplatz", weiß Wilhelm Hegermann, der in Stormarns Kreisverwaltung den Bereich Jugend-Schule-Kultur leitet. Entsprechend weiten Gemeinden und Träger ihre Angebote aus. „Aber die Zahl der Ausgebildeten wurde nicht erhöht." Es werde zusehend schwieriger, Fachpersonal einzustellen.

 

Und das braucht es in steigender Zahl. Insgesamt fließen seit drei Jahren 11,2 Millionen Fördermittel in den Kreis Stormarn, um Krippenplätze zu schaffen. Ein laufender Prozess, in dem etwa 1100 Platze entstünden.

 

Seit 2005 steigt die Nachfrage

 

Bei einer Kindergruppengröße von zehn bis zwölf Kindern pro Gruppe sind gut 200 zusätzliche Erzieher nötig. Aber woher sollen die kommen? Hegermann hält es für sinnvoll, „die Ausbildungsinitiative für diesen Bereich zügig weiter auszubauen".

 

Bei der Agentur für Arbeit in Bad Oldesloe berichtet Sprecher Stefan Schröder: „Aktuell sind bei uns im Kreis Stormarn 14 Stellen für Erzieher, Erzieherinnen und sozialpädagogische Assistenten gemeldet. Im Jahresverlauf 2011 wurden 85 Fachkräfte im Kreis Stormarn gesucht, das waren vier mehr als 2010." Und seine Kollegin Regina Wittkamp, Teamleiterin aus dem Arbeitgeber-Service, ergänzt: „Die Nachfrage nach Fachkräften aus den Kindergärten hat seit etwa 2005 deutlich zugenommen. Es ist einer der Bereiche, in dem wir mit die größten Schwierigkeiten haben, dringend benötigtes Fachpersonal vermitteln zu können. Uns fehlen qualifizierte Bewerber."

 

Ein Ansatz, mehr junge Menschen für die Ausbildung zu gewinnen, sei der Versuch, mehr junge Männer dafür zu interessieren, etwa an den" Boys' Days" . Und bessere Bezahlung könnte dem Mangel entgegenwirken. Eine Sozialpädagogische Assistentin kommt nach

Auskunft der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft auf ein Gehalt von 1781 Euro brutto bei einer Vollzeitstelle. „Bei diesen Gehältern können die Betroffenen nicht auf eine kräftige Gehaltserhöhung verzichten", unterstrich unlängst der Landesvorsitzende Matthias Heidn. Schon jetzt müssten sich Teilzeitbeschäftigte wegen der schlechten Bezahlung oft einen Nebenjob suchen.

 

„Die Arbeit in diesen Berufen wird zu schlecht bezahlt", bestätigt Pastor Graf. Doch irgendwo müsse sich der Staat bei mehr Gehalt das Geld zurückholen. Das ginge nur über steigende Elternbeiträge. Dann aber würden Eltern ihre Kinder wieder abmelden - und die Gemeinde bliebe auf den Kosten für die vorgehaltenen, dann aber freien Plätzen sitzen.

aus: „Lübecker Nachrichten“, Regionalausgabe Stormarn, vom 31.03.2012, Seite 9