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Auf Olavs Spuren - in Norwegen

 


Über das Hochgebirge geht es von Hamar nach Trondheim


 

von Frauke Schlüter Hürdler

 

Pastor Erhard Graf begleitet Pilgerwanderung auf historischen Pfaden / Die älteste Teilnehmerin ist 75 Jahre "jung"

 

Klein Wesenberg. Pilgern ist mehr als nur Wandern. Es lässt den hektischen Alltag für eine Weile vergessen und öffnet den Blick für die Naturwunder am Wegesrand, lässt Zeit für innere Einkehr, für ein Gebet, für die einfachen Dinge des Lebens. Pilgern ist gut für Körper und Seele. Das weiß Pastor Erhard Graf, der erstmals mit einer Gruppe auf den Spuren des Heiligen Olavs in Norwegen wandert. Gut vorbereitet hat sich der zertifizierte Pilgerbegleiter und leidenschaftliche Läufer auf die große Tour durch Norwegens fast unberührte Hochgebirgswelt zwischen Oslo und Trondheim. "1000 Kilometer habe ich in diesem Jahr bestimmt schon zu Fuß zurückgelegt", sagt er.

 

Denn Vorbereitung sei das A und O. Schließlich trage er eine große Verantwortung für die Pilger, die sich ganz auf ihn und Pastor Bemd Lohse, Haupt- und Pilgerpastor an der Hamburger Jacobikirche, verlassen. Der Gruppenleiter müsse der "Fitteste" von allen sein. "Das ist kein kleiner Spaziergang", weiß der Klein Wesenberger Pastor. "Das sind mindestens 300 Kilometer." Und das bedeutet eine Tagesstrecke von jeweils 25 Kilometern durch unberührte Natur, auf steilen Bergwegen und durch die Einsamkeit.

 

"Zwischen den einzelnen Berghütten ist nichts mehr", so Graf. Die Strecke muss also an einem Tag geschafft werden. Wer unterwegs krank wird oder zu erschöpft ist, wird mit dem begleitenden Gepäckauto zum nächsten Bahnhof gebracht. Vor dem Start müssten die essentiellen Sachen geregelt sein, damit man den Kopf frei habe für die wesentlichen Dinge. Sonst sei der persönliche Gewinn viel zu gering, weil man seinen Fokus nur noch auf schlechtes Schuhwerk, Blasen an den Füßen, zu schweres Gepäck, zu wenig Trinkwasser richte. "Pilgern ist die teuerste Art des Reisens", schmunzelt der engagierte Pastor. Denn für eine gute Ausrüstung, die unerlässlich in der Bergwelt Norwegens sei, blättere man schon mal schnell 1000 Euro hin.

 

Für Pastor Graf, der viel mit seinen Konfirmanden wandert und läuft, ist der Olavsweg eine völlig neue Erfahrung. Pastor Lohse, der 1999 bei einer Pilgertour auf dem Olavsweg vom NDR begleitet wurde, hatte ihn um Mithilfe gebeten, weil die Nachfrage nach Ausstrahlung der Sendung dermaßen groß ist. Für Pastor Graf kein Problem: "Ich hätte sowieso Aktivurlaub gemacht." Drei Wochen, vom 20. Juli bis 6. August, sind die 28 Pilger, die sogar aus Hannover und Stuttgart angereist kommen, unterwegs. Die erste Gruppe startet mit Pastor Lohse, einen Tag später die zweite Gruppe mit Pastor Graf. "Die meisten sind so um die 50 Jahre alt und auf der Suche nach einer spirituellen Erfahrung", sagt Graf. Die älteste Teilnehmerin ist 75 Jahre "jung". Viele Pilger wollen sich mit der Wanderung einen lang gehegten Traum erfüllen.

 

Da es sich beim Pilgern um keine "normale" Wanderung handelt, hat der Pastor immer sein Reise-Abendmahl mit dabei. Jeden Abend wird eine Andacht abgehalten. Die Gruppe kommt in Oslo an und fährt bis nach Dovre. Von da aus startet die Wanderung durchs Hochgebirge, die über Oppdal nach Trondheim führt. "Mehr ist in der Zeit nicht zu bewältigen", so Graf.

 

Der Olavsweg, der in den 90er Jahren eine wahre Renaissance erlebte, geht über mehr als 600 Kilometer von Oslo bis nach Trondheim, wo sich im Nidaros-Dom der Schrein des legendären Wikingerkönigs und Heiligen Olav befindet. Seit dem 11. Jahrhundert bis zur Reformationszeit wanderten Hunderttausende nach Trondheim (früher Nideros), um Olav ihre Ehre zu erweisen.

 

König Olav einte die Wikingerstämme und starb 1030. "Es war die größte Pilgerstätte Nordeuropas", erklärt Graf. Deshalb wird Trondheim auch" Jerusalem des Nordens" genannt und ist heute noch neben Jerusalem im Osten, Santiago im Westen und Rom im Süden die wichtigste Pilgerstätte Europas. 2010 wurde die Pilgerstrecke zum europäischen Kulturweg ernannt. Und welche Erfahrungen werden die Pilger mit nach Hause nehmen? Erhard Graf: "Die Sicht der Dinge wird vielleicht eine andere, bewusstere, sein." Wer sich noch kurzfristig anmelden möchte, wende sich bitte an Pastor Bemd Lohse unter {Or40} 303 737 713 oder lohse@jacobus.de. Weitere Infos unter www.pilgrim.info.

aus: „Stormarner Tageblatt“ vom 27. Juni 2012

 


Pastor Graf hat sein Reise-Abendmahl mit dabei (Fotos fsh)