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Storchenschutz - oft ein Wettlauf mit der Zeit


Aus Spanien sind die ersten Störche bereits zurück (Foto dpa)

Einige Stormarner Horste konnten nicht renoviert werden, weil Adebar so früh da war. Andere Nester waren noch völlig vereist

 

Von Brigitte Judex-Wenzel

 

Rümpel/Klein Wesenberg/Barnitz - Als allererster Rückkehrer in den Kreis hatte am 26. Februar der gefiederte Hausherr des Horstes in Todendorf Wiedereinzug gehalten (die LN berichteten). Sehr früh kam auch das Rümpeler Storchenmännchen - zu früh für den Frühjahrsputz des Naturschutzbundes (Nabu). Denn obwohl die Storchenbetreuer Andreas Hack und Kerstin Kommer schon Ende Februar mit den Kontroll-, Reinigungs- oder Reparatureinsätzen im Kreis begannen, war dies im Fall Rümpel doch zu spät. Obwohl das Nest auf einem Mast am Ortsrand dieses Jahr mit einer Renovierung an der Reihe gewesen wäre, verzichteten sie darauf vorsichtshalber. "Der Storch saß bereits drauf", erzählt Andreas Hack.

 

Im gleichen Zeitraum waren die seit Jahren von der Zimmerei Riesel aus Eichede unterstützten Ehrenamtler in Klein Wesenberg ­ und zu früh dran. Hier sollte dieses Jahr ein Teil des Nestes aus Sicherheitsgründen abgetragen werden. Der ältere Mast ist aus Holz, nicht aus Beton wie neuere, und eine von den Storcheneltern von Jahr zu Jahr höher aufgebaute Kinderstube "wiegt bis zu einer halben Tonne" , weiß Andreas Hack. Weil der Mast nur schwer zugänglich ist und sich der normalerweise eingesetzte Hubsteiger auf dem schweren Boden möglicherweise festgefahren hätte - tatsächlich gab es auch beim Gerüst-Transport Probleme -, bauten die Zimmerleute ein zehn Meter hohes Gerüst auf. Dann die Ernüchterung: Das Nestinnere war ein einziger Eisklumpen, so dass die Arbeiten abgebrochen und auf Anfang März verschoben werden mussten.

 

Wie gut, dass die Klein Wesenberger Storcheneltern offenbar zu den Afrika-Überwinterern gehören. Die befinden sich nämlich noch auf ihrem 10000 Kilometer langen Rückflug, haben Ägypten hinter sich gelassen und vielleicht auch bereits die Türkei. Die Störche, die in Spanien überwintern, haben die 2000 Kilometer lange Westroute dieses Jahr hingegen zum Teil schon komplett zurückgelegt.

 

Der Nabu Schleswig-Holstein verfügt über genaue Daten, weil einige im Land ansässige Störche, allesamt Weißstörche, mit Sendern ausgestattet worden sind. "Die ,Afrikaner', die ,Ostzieher', brauchen noch rund zwei Wochen" , erklärt Storchenfachmann Hack.

 

Am zweiten März-Wochenende war seine Crew in gut einem Dutzend der mehr als 20 Stormarner Storchendörfer mit einem Hubsteiger im Kontroll-Einsatz. Schon einmal an Ort und Stelle, erfolgte überall eine Reinigung. In Groß Barnitz, wo der Neststandort vom früheren Meiereischlot auf einen Mast umgesetzt worden ist, wurde die neue Nistunterlage befüllt. Hier wie in Meddewade, wo der Horst ebenfalls einige Jahre verwaist war, können die Einwohner nun darauf hoffen, dass Adebar wieder ihr Nachbar wird. Im stets mit kleinen Klapperschnäbeln verwöhnten Klein Wesenberg zählt Pastor Erhard Graf bereits die Tage. Voriges Jahr war der Storch am 26. März da.

Aus: „Lübecker Nachrichten“, Regionalausgabe Stormarn, vom 24.03.2012, Seite 14

 


Erhard Graf und Zimmermeister Roland Riesel in Klein Wesenberg