SCHLIESSEN

Auf einen Blick

Suche

Das Gästehaus an der Via Baltica


Pastor Erhard Graf pilgert im Sommer mit einer Gruppe auf dem Olavsweg in Norwegen


 

von Frauke Schlüter-Hürdler

 

Immer mehr Pilger machen auf dem Weg von Lübeck in Klein Wesenberg an der Trave Station / Teil des Jakobsweges

 

Klein Wesenberg. "Irgendwo ankommen dürfen, willkommen sein - welch ein Geschenk." So schrieb eine Pilgerin in das Gästebuch des frisch renovierten Gästehauses. Die Pilger, die Station im Haus gegenüber der Wesenberger Kirche machen, sparen nicht mit Lob für die Gastfreundschaft. "Wunderbarerer Aufenthalt", "großzügige Versorgung" oder "sympathische Unterkunft" schrieben die Wanderer. Im letzten Jahr übernachteten 200 Personen im Gästehaus, berichtet Pastor Erhard Graf.

 

Immer mehr Pilger machen sich auf den Weg und kommen aus Richtung Lübeck oder Bad Oldesloe in Klein Wesenberg vorbei, denn die Via Baltica, ein Teil des Jakobsweges führt mitten durch den idyllischen Ort an der Trave. Obwohl die Kirchengemeinde nichts mit dem Pilgerweg zu tun hat (eine Privatinitiative) stellt sie gern eine Unterkunft für die Wanderer zur Verfügung. Aber bitte mit vorheriger Anmeldung, denn ein kleines Team von Ehrenamtlichen kümmert sich um das Aufschließen des Hauses.

 

"Das muss organisiert sein, denn es kann nicht immer jemand vor Ort sein", so Pastor Graf, der als zertifizierter Wegbegleiter selbst Pilgergruppen führt. Im letzten Jahr hat er viele Pilgertouren in die nähere Umgebung angeboten. In diesem Sommer plant er eine größere Tour mit einer Pilgergruppe auf dem neu entdeckten Olavsweg in Norwegen. Erhard Graf möchte auch auf dem alten Postweg wandern. Um diesen kürzeren Pilgerweg von Lübeck nach Hamburg seinen Gruppen anbieten zu können, muss er ihn erst zunächst selbst abgehen: "Die Pilger verlassen sich auf mich." Mit seinen Konfirmanden pilgert er jährlich von Lübeck nach Klein Wesenberg. Das sind rund 14 Kilometer­ für viele junge Menschen ein ganz schönes Stück Weg.

 

Das Gästehaus ist eigentlich das Gemeindehaus, das 1964 erbaut wurde, nachdem das alte Gebäude aus dem Jahre 1770 abgerissen wurde. "In den 60er Jahren hatte die Kirche noch viel Geld. Alles wurde neu gebaut, Altes nicht erhalten", bedauert Graf. Nach der Maueröffnung 1989 wurden Umsiedler aus der ehemaligen DDR vom Kreis kurzfristig hier untergebracht. Danach war es Konfirmandenheim. Heute befinden sich im Untergeschoss die kirchlichen Kindergartengruppen. Die obere Etage wurde nach Eröffnung des Pilgerweges zum Gästehaus umfunktioniert, eine Küchenzeile eingebaut, vier Zimmer mit insgesamt zwölf Betten eingerichtet.

 

Noch sei das Übernachtungsangebot kostenneutral für die Gemeinde. "Wir liegen hier mit 18 Euro pro Person knapp unter dem Jugendherbergspreis", so der Pastor. Für Gruppen werden Extra-Konditionen vereinbart. Sie können sich, falls der kleine Vorrat im Kühlschrank nicht reicht, ihre Verpflegung aus Reinfeld oder Lübeck liefern lassen.

 

Da in Reinfeld die Übernachtungsmöglichkeiten aus organisatorischen Gründen gestrichen werden mussten, bleibt Klein Wesenberg in Nordstormarn die einzige Anlaufstelle für Pilger vor dem Kloster Nütschau. "Bei uns an der Trave ist es sehr idyllisch. Wer Lust hat. kann die Störche im Pastoratsgarten gleich nebenan beobachten. Sie sind gerade angekommen", gerät Pastor Graf ins Schwärmen.

 

Anfragen und Anmeldungen

unter ev.kirche-trave@t-online.de oder in Ausnahmefällen mittwochs und donnerstags von 10.00 Uhr bis 12.00 Uhr unter Ruf (04533) 14 16

aus: „Stormarner Tageblatt“ vom17. April 2012


Frisch renoviert - das Gästehaus ist Anlaufstelle für Pilger, die in Klein Wesenberg Station machen (Foto fsh)