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Schützen bangen um ihre Schießanlage

 


Vereinsvorsitzender Andreas Möller. Habe das Vertrauen verloren. Seine Lösung - Entweder kein Neubaugebiet oder die Halle wird komplett eingehaust.


 

Wenn Klein Wesenberg sein neues Wohngebiet ausweist, darf nur noch viel weniger geschossen werden

 

von Uwe Krog

 

Klein Wesenberg - Verfahrene Situation in Klein Wesenberg: Die Schützen wollen weiter ungehindert mit schweren Waffen schießen können. Die Gemeinde hingegen möchte nebenan ein Baugebiet für Dorfbewohner ausweisen. Aber es fehlt an Geld, die Schützenhalle vollends „einzuhausen", wie die Schützen sagen, also schalldicht zu machen. Nur so können sie Anwohnern den Knall von großkalibrigen Gewehren ersparen.

 

250 000 Euro soll das schall- und schusssichere Abdichten der 100 Meter langen Halle kosten. Die Hälfte der Strecke haben die Schützen im Jahr 2008 bereits überdacht und gesichert. Dazu, berichtet der Vorsitzende Andreas Möller, habe der Verein zahlreiche Sponsoren gewonnen. Die Sparkassenstiftung, die Bitburger Braugruppe, die Gemeinde selber, die Wehren in Nordstormarn - und den Bund der Militär- und Polizeischützen. So entstand die heute modernste zivile Schießanlage Schleswig-Holsteins. Aber damit begann das Dilemma für den Verein.

 

Der Schützenverein Klein Wesenberg und Umgegend von 1919 schloss mit den Militär-und Polizeischützen nämlich Verträge ab, nach denen bis zu 6000 Schuss täglich möglich sind. Diese Knallerei glauben Bürgermeister Herbert David und Nordstormarns Amtsdirektor Sönke Hansen sei künftigen Nachbarn nicht zumutbar. Gemeindevertreter Ulrich von Papen rechnete aus, dass bei voller Nutzung der Bahnen binnen zehn Stunden alle sechs Sekunden ein Schuss abgefeuert würde.

 

Für die ins noch zu genehmigende Neubaugebiet am Klein Wesenberger Schulweg ziehenden~ Häuslebauer wäre das unerträglich. Die Verwaltungsleute stuften die Gegend deshalb kurzerhand von einem so genannten Dorfgebiet, das mehr Lärm ertragen muss, hoch in ein Wohngebiet. Das ist zulässig, weil es im Dorf keine Bauern mehr gibt. „Damit", sagt Amtsdirektor Hansen, „gelten strengere Bestimmungen zum Lärmschutz." Die Schützen dürfen dann nur noch 1500 Schuss pro Tag aus ihren schweren Waffen abfeuern.

 

Das wäre fatal für den Verein. Zumal die Schützen alle Entscheidungen durch eine falsche Gebietseinschätzung des Gutachters beim Bau der Anlage gefällt haben. „Wahrscheinlich müssen wir zahlen, weil wir unsere Verträge nicht einhalten", fürchtet Schützenvorsitzender Möller. Zudem müssten sie Zuschüsse vom Land zurückgeben. Der Schützenverein Klein Wesenberg und Umgegend wäre in seiner Existenz bedroht. Im Falle einer Insolvenz, das weiß Pastor Erhard Graf, wäre sogar möglich, „dass die Kirche plötzlich über den modernsten Schießstand des Landes verfügt.“ Das gehe aus Verträgen hervor, die Schützen und Kirche vor etwa 50 Jahren geschlossen haben. Der Kirche gehört das Grundstuck unmittelbar am Jakobsweg, dem Pilgerpfad, der an der Anlage vorbei zur wenige Meter entfernt stehenden Wesenberger Kirche führt. Bürgermeister David berichtet bereits von verängstigten Pilgern, die sich bei ihm gemeldet hätten, von Dorfbewohnern die an unerlaubte Treibjagden glaubten.

 

Geknallt hat es dort jetzt auch zwischenmenschlich. David wurde bei einer Schützenversammlung aufgefordert, die Sitzung zu verlassen, obwohl er selbst Mitglied ist „und wir als Gemeinde den Verein stets gefördert haben".

 

aus: „Lübecker Nachrichten“, Regionalausgabe Stormarn vom 13.05.2012, Seite 9


Gemeindevertreter Ulrich von Papen (i.), Bürgermeister Herbert David. Es kann nicht sein, dass 20 Schützen das ganze Dorf entzweien. (Fotos ukk)