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Ein Riesenkran für die Sanierung der Dorfkirche

 


Baukräne wie dieser sind normalerweise eher auf Großbaustellen anzutreffen. Anders in Klein Wesenberg, dort muss das Dach der auf einem Berg stehenden Kirche saniert werden. (Fotos D.von Dahlen)


 

Gestern begannen die Arbeiten am Dach der Pilgerkirche in Klein Wesenberg. Das ehrgeizige Projekt wird auch mit Mitteln der Europäischen Union unterstützt

 

von Dorothea von Dahlen

 

Klein Wesenberg - Der Kirchturm von Klein Wesenburg hat Konkurrenz bekommen. Seit ein paar Tagen wird das Wahrzeichen des Ortes von einem knallgelben Kran überragt.

 

Dass ein solch riesiges Gerät in einem Dorf steht, ist in der Tat ungewöhnlich. "Man kennt Kräne wie diesen eigentlich nur von Großbaustellen in Innenstädten " , sagt Pfarrer Erhard Graf. In Klein Wesenberg werde er benötigt, um das Dach der Kirche zu sanieren. Normalerweise lasse sich das von Gabelstaplern aus bewerkstelligen, mit denen die Schindeln nach oben transportiert werden. Doch die besondere Lage der Dorfkirche lasse das nicht zu. Da sie auf einem Hügel stehe, hätte man das Baumaterial allenfalls vom Friedhof aus anliefern können. Doch das sei aus Pietätsgründen nicht in Frage gekommen. Und da vor vielen Jahren der Vorschlag abgelehnt wurde, den Friedhof komplett zu verlegen, um Baufreiheit zu schaffen, sei nun die etwas teurere Variante gewählt worden.

 

Nachdem die letzte Gerüstschraube festgezogen und der Kran in voller Größe aufgebaut war, konnten die mit dem Auftrag betrauten Firmen gestern loslegen. Ausgetauscht wird nicht nur die Schiefereindeckung, auch die Dachlattung muss erneuert werden. Um zu vermeiden, dass bei dem jetzt aufziehenden herbstlichen Wetter zusätzlich Feuchtigkeitsschäden am Gotteshaus entstehen, arbeiten die Dachdecker abschnittsweise. Sie heben nur so viele Schindeln ab, dass sie das Dach am Ende eines Arbeitstages wieder verschließen können. Wind und Wetter haben aber auch am Giebel der Kirche genagt. Der Sandsteinputz hat sich an vielen Stellen vom Mauerwerk gelöst und bedarf ebenfalls der Sanierung.

 

Rund 300 000 Euro müssen aufgebracht werden, um all diese Arbeiten an der Dorfkirche ausführen zu lassen. Da Klein Wesenberg am Jakobsweg liegt und als wichtige Station auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela gilt, wurde der Kirchengemeinde eine Förderung von 85 000 Euro aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (Eler) zuteil. Zudem gab es Zuschüsse von der Denkmalpflege, der Landeskirche und dem Kirchenkreis. Doch all das reicht nicht, um das Projekt zu finanzieren. Die Kirchgemeinde selbst buttert sämtliche Baurücklagen hinein und muss zudem ein Darlehen aufnehmen. "Wir haben uns damit für zehn Jahre verschuldet und sind dringend auf weitere Spenden angewiesen" , sagt der Pfarrer.

 

Umwege müssen Autofahrer wegen der Baustelle übrigens nicht in Kauf nehmen. Laut Erhard Graf bleibt die Zufahrt zu Friedhof, Gemeindezentrum und Kindergarten die ganze Zeit geöffnet. Der Pfarrer weist zudem darauf hin, dass auch die Gottesdienste und andere liturgische Feiern ungeachtet der Bauarbeiten stattfinden werden. Hochzeiten, Taufen oder Trauerstunden seien ohne Weiteres möglich.

 

Nicht zuletzt heiße die Kirchgemeinde auch erneut den Moskauer Männerchor willkommen. Das Ensemble singe am Sonntag, 16. September, ab 19 Uhr zugunsten des Moskauer Kinderkrankenhauses des Heiligen Wladimir. Die Stimmgewalt der acht Sänger sei einfach beeindruckend, das Konzert auf jeden Fall zu empfehlen, so Graf. Eintritt wird nicht erhoben, dafür freut sich die Kirchengemeinde über Spenden für die Klinik.

 

Aus der Chronik

 

Errichtet wurde die Klein Wesenberger Kirche 1884 auf dem Fundament alter Vorgängerbauten. Der Turm der Kirche wurde zum 100-jährigen Bestehen der Kirche bereits mit Kupferblech restauriert. Nach einer großen Spendenaktion konnte die marode Orgel 1996 aufgearbeitet werden. Das 1923 von Lübecker Künstlern gestaltete Lutherfenster wurde 2005 restauriert. dvd

aus: „Lübecker Nachrichten“, Regionalausgabe Stormarn, vom 11.09.2012, Seite 9


Pfarrer Erhard Graf mit dem Grundriss des Gotteshauses. Es wurde 1884 auf dem Fundament einer Vorgängerkirche errichtet.