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Zu Fuß hoch in den Norden

 


Der Kelch der Kirche in Klein Wesenberg, den Pastor Erhard Graf absetzt, und der aus der Kirche in Hamberge (rechts) machen deutlich, wie klein der Kelch des Reiseabendmahls aus dem Koffer ist (Foto Judex-Wenzel)


 

Pastor Graf begleitet Pilger zu Olavs Grab.

 

Von Brigitte Judex-Wenzel

 

Klein Wesenberg/Hamberge - Unberührte Natur, Schneefelder in den Höhenlagen, Einsamkeit - nur wer weiß, dass das norwegische Trondheim auch „Jerusalem des Nordens" genannt wird, kommt wohl auf die Idee, dass diese Beschreibung zu einer Pilgerwanderung gehören könnte. Auf genau diese Pilgerreise gehen der Nordelbische Pilgerpastor Bernd Lohse aus Hamburg und der Pastor von Hamberge und Klein Wesenberg, Erhard Graf, vom 20. Juli an für gut zwei Wochen mit 28 Teilnehmern aus ganz Deutschland.

 

Graf, zertifizierter Pilgerbegleiter, sagte gern zu, als Organisator Lohse ihn fragte, ob er sich vorstellen könne, eine 14-köpfige Gruppe zum Nidarosdom in Trondheim zu betreuen. Nach einer NDR-Fernsehsendung über diese Tour hatte der Pilgerpastor für dieses Jahr etwa 100 Anmeldungen für 14 Plätze. Damit die Zahl der Absagen reduziert werden konnte, ist nun jeder Pastor mit 14 Personen unterwegs. Lohse immer einen Tag vorweg, Graf einen hinterher - denn die meisten Unterkünfte bieten nicht mehr Platz.

 

Ziel der Reise zu Fuß ist das Grab des norwegischen Schutzheiligen, des Heiligen Olav, auf dem der Dom von Trondheim erbaut worden ist. Der König einte im beginnenden elften Jahrhundert die norwegischen Stämme und trug maßgeblich zur Verbreitung des Christentums in ganz Skandinavien bei.

 

Alle reden seit dem Bestseller von Entertainer Hape Kerkeling "Ich bin dann mal weg" vom Jakobsweg zum spanischen Santiago de Compostela, wo angeblich das Grab des Apostels Jakobus liegt. "Zu touristisch" ist dieses Ziel Erhard Graf geworden." Auf Olavs Spuren pilgern wir auf historischer Strecke und übernachten an Orten, wo auch die Menschen vor tausend Jahren übernachteten", beschreibt der Seelsorger.

 

Außerdem sei in der Natur unterwegs viel Raum für Spiritualität, für Religiosität, für die Suche danach, die Auseinandersetzung damit. Ob beim Schweigen oder beim Austausch von Gedanken. Bei Gesprächen, in die sich Erhard Graf gern verwickeln lässt. Dieses Spirituelle, das Graf schon als Theologiestudent in Thüringen, nahe des lutherischen Klosters St. Wigberti, wichtig war, ist es, weshalb sich die Pilger auf die strapaziöse Wanderung einlassen. Mit wenigen Ausnahmen sind alle, wie Graf auch, älter als 50 Jahre, ein häufiges Alter für Pilger, für Suchende. Körperliche Fitness ist für die Fußstrecken von durchschnittlich 25 Kilometer mit steilen Passagen Voraussetzung. Psychische Stabilität ebenso.

 

Trotz einfachster Unterkünfte und Selbstverpflegung kostet die Teilnahme 1500 Euro, wenn es ­ nach der Endabrechnung - reicht. Ohne Eintrittspreise. "Norwegen ist teuer", sagt Graf. Kostenfrei, aber für viele kostbar sind die drei Andachten täglich - das Morgengebet mit Abendmahl, das Mittags­ und das Abendgebet.

 

Das Reise-Abendmahl

 

Das Reise-Abendmahl, auch Kranken­Abendmahl, das Pastor Erhard Graf zur Olav-Tour mitnimmt, war eine Spende an die Kirchengemeinde Klein Wesenberg. Christian und Christine Wittern aus Westerau stifteten das Set 1915.

aus: „Lübecker Nachrichten“ vom 10.07.2012, Regionalausgabe Stormarn, Seite 10