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Die Klein Wesenberger Kirche heute


 

 

Unsere Kirche steht seit 1885. Vor ihr stand an demselben Platz und in der Grundfläche in nahezu gleichem Ausmaß die alte Kirche zu Klein Wesenberg. Sie war schon früh in einem ihr von Papst Gregor VIII. zur Zeit des Reinfelder Abts Rotmar erteilten Breve erwähnt worden. Abt Rotmars Zeit war nach 1185. Papst Gregor VIII. starb 1187.

 

Über die alte Kirche wissen wir nicht mehr alle Einzelheiten. Sie wurde am Sonntag Jubilate, dem 30. April 1882 durch eine Feuerbrunst zerstört. Nachmittags zwischen 1 Uhr und 2 Uhr hatte ein Blitz in das neben der Kirche gelegene Fährhaus eingeschlagen. Bei starkem Sturm hatte das Feuer auf das hinter der Kirche an der Nordseite gelegene Schul- und Organistenhaus übergegriffen. Von dort hatte es auch die Kirche erfasst. Es musste ein neues Gotteshaus errichtet werden. Damit wurde der Reinfelder Baumeister Voss beauftragt. Am Sonntag Laetare, dem 23. März 1884, war Grundsteinlegung. Nach dem damaligen Zeitgeschmack wurde die Kirche im neugotischen Stil erbaut. Sie ist heute nicht mehr ganz in ihrem ursprünglichen Aussehen erhalten. im Laufe der Jahre wurden einige bauliche Maßnahmen getroffen, die ihr Charakteristikum aber nicht veränderten.

 

Am Freitag, dem 27. März 1885, war die feierliche Einweihung der neuen Kirche. Im Innern war sie nicht in allen Einzelheiten vollendet. Die Ausschmückung geschah erst in den folgenden Jahren.

 

Aus der alten Kirche fanden der Taufstein, das Kruzifix und das Wappen des Wesenberger Hofes auch in der neuen Kirche wieder einen Platz.

 

Gleich im Eingangsbereich befindet sich links eine Gedenktafel der Gefallenen des Krieges 1849 zwischen Dänemark, unterstützt von Großbritannien, Russland und Frankreich gegen Schleswig-Holstein, unterstützt von Preußen. Schleswig-Holstein und Preußen wurden besiegt und Schleswig-Holstein fiel an Dänemark. Auf der rechten Seite befindet sich eine Gedenktafel der Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71. Diese stammen noch aus der alten, abgebrannten Kirche. Ob es auch vom Deutsch-Dänischen Krieg 1864 und vom Deutschen Krieg 1866 zwischen Preußen und Österreich Gedenktafeln gegeben hat, ist nicht bekannt. - Für die Gefallenen des 1. und des 2. Weltkrieges wurde auf dem Friedhof ein Ehrenfriedhof errichtet. Jedes Jahr am Volkstrauertag legen die politischen Gemeinden, der Kirchenvorstand, die Freiwillige Feuerwehr und der Schützenverein in einer Gedenkstunde Kränze nieder.

 

Der Taufstein ist der älteste sakrale Gegenstand unserer Kirche. Er ist aus gotländischem Kalkstein. Am 7. Mai 1650 wurde er für unsere Gemeinde vom Lübecker Dom erworben. Es wird berichtet, dass er dort in ältester Zeit gestanden hat. Der Taufstein soll aus dem Jahr 1163 stammen.

Die einfache, klare Ornamentik der Kuppa, die leicht zu gespitzte Arkadenbögen darstellt, zeigt im Vergleich zu ähnlichen Taufsteinen, von denen es in unserer Gegend einige gibt, dass sie aus der Frühzeit der Gotik herrühren dürfte.

Die besondere Form der Taufe geht auf das uralte, aus orientalischen Kulturbereichen hervorgegangene Motiv der Paradiesvase als ein Gefäß für geheiligte Wasser zurück. Die Taufe als Quelle des Paradieses, deren Ströme sich in alle Welt verästeln. Dazu passt die aus späterer Zeit stammende messingne Taufschale, in die der Sündenfall eingraviert ist.

 

Das Wappen stammt wahrscheinlich aus dem Jahre 1706. Es befand sich bis zu dem Brand am „ Trenthorster Stuhl“. Eine Hälfte stellt das von Wetken ‘sche, die andere das von Plessen ‘sche Wappen dar.

 

Das Kruzifix wurde etwa 1675 der Kirche von dem Plönschen Herzog gestiftet. Es diente ursprünglich als Altaraufsatz. Im Mittelalter war die Baumgestalt des Kreuzes nicht unüblich. Solche Astgabelkreuze symbolisierten den Lebensbaum.

 

Ein anderer Gegenstand fand erst 1955 seinen Platz in unserer Kirche: die Grabplatte des Ritters Volrad von Wesenberg von 1392. Sie liegt bei der Kanzel.

 

Zur Einweihung 1885 waren schon zwei Bronzeglocken vorhanden.

 

1846 hatte die Gemeinde in ihrer alten Kirche ihre erste Orgel bekommen. Sie stammte von dem Orgelbauer Kühn aus Segeberg und hatte nur acht Register. Bis dahin musste der Küster mit den Kindern den Kirchengesang leiten.

1887 erhielt die Gemeinde in der neuen Kirche eine zwölfstimmige, von der Firma Marcussen & Sohn in Apenrade/Dänemark hergestellte romantische Orgel. Für den Neubau der Orgel in der wiedererrichteten Kirche ließ sich der Kirchenvorstand von  Heinrich Schmahl (1827-1892),  Organist zu St. Jacobi in Hamburg beraten. Er  riet zu einem kleinen, doch schönen und für die Kirche ausreichenden Meisterwerk der Orgelbaukunst und empfahl für den Neubau die dänische Orgelbaufirma Marcussen. Schon 1911 trug man sich mit dem Gedanken, sie um drei Stimmen zu erweitern. Doch der 1. Weltkrieg verhinderte dieses Vorhaben. 1917 wurden die 29 vorderen zinnernen Orgelpfeifen abmontiert und mussten als Kriegesmaterial abgeliefert werden. 1962 wurde sie schließlich wegen Holzwurmbefalls grundlegend erneuert und dem Kunstgeschmack der damaligen Zeit angepasst. Sie erhielt ein barockes Klangbild.

1996 wurde die Orgel von der Wilhelmshavener Orgelbaufima Alfred Führer GmbH restauriert und erhielt wieder  ihren ursprünglichen romantischen Klang und ihr ursprüngliches Aussehen. Finanziert wurde die aufwändige Restaurierung durch eine beispiellose Spendenaktion, das Engagement des Arbeitskreises Orgelsanierung Klein Wesenberg (AKOSA) und dem Erlös aus dem "Kirchenkrimi" von Pastor Christian Uecker "Wenn der Tod tanzt". 

 

1902    bekam die Kirche zwei Kronleuchter mit je 18 Kerzen

            aus Messing gestiftet. Ein dritter Kronleuchter 

            wurde später im Altrarraum aufgehängt.

            Noch heute werden die Kerzen der drei

            Kronleuchter bei jeder Veranstaltung in der Kirche

            angezündet.

1907    bekam die Kirche eine Turmuhr gestiftet.

1911    erhielt die Kirche einen neu gestalteten Altarraum, von dem nur noch die zwei Kronleuchter vorhanden sind und die von dem Kunstmaler Robert Pollog stammenden zwei zweigeteilten Bilderfenster an der Nordwand des Kirchenschiffes. Diese sollen vom Altarraum ausgehend  darstellen:  Im ersten Fenster Paulus (mit dem Schwert) und Petrus (mit dem Schlüssel), im zweiten Fenster Johannes (mit dem Kelch)  und Lukas (mit dem Buch). Doch das ist umstritten. So recht weiß das niemand. Das dritte Fenster gilt als das "Musikfenster". In der oberen Rosette, zur Orgel blickend ist ein Porträt von Johann Sebastian Bach dargestellt. In den beiden Fensterteilen unter der Orgelempore sind die Sprüche zu lesen aus dem 100. Psalm : "Jauchzet dem Herrn alle Welt. Dienet dem Herrn mit Freuden, kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken" und von Martin Luther: "Der schönsten und herrlichsten Gaben Gottes eine ist die Musica, damit man viel Anfechtung und böse Gedanken vertreibet".

1911    bekam die Kirche die Kanzel gestiftet, zu der früher ein Schalldeckel gehörte, mit Relieftafelbildern der Bergpredigt und Seepredigt und am Fuß mit Luther und den Aposteln Petrus und Paulus.

1913    erhielt die Kirche elektrische Beleuchtung.

1914     wurde der  „Trenthorster Stuhl“ renoviert, der sich bis 1962 an der Stelle befand, wo jetzt die Taufecke ist.

1962    war neben der Erneuerung der Orgel auch die gründliche Renovierung der Kirche erforderlich. Ursachen waren Mauerfeuchtigkeit und Holzzerfall. Der Zahn der Zeit hatte gewirkt.

 

Der „ Trenthorster Stuhl“, der einen eigenen, jetzt zugemauerten Zugang von außen hatte, wurde entfernt. Von ihm blieben fünf hölzerne Reliefbilder, die in der Taufecke aufgehängt sind. Sie stellen dar: Jesus sendet seine Jünger aus, Jesus vor Pilatus, die Passion Jesu, die Jünger zu Emmaus, die Himmelfahrt Christi.

 

Der Taufstein kam in die Ecke, wo vorher der „ Trenthorster Stuhl“ stand. Dort fand auch das Kruzifix an der Wand seinen Platz.

 

Auf der Südseite, direkt bei der Kanzel, befindet sich das sogen. Lutherfenster. Es zeigt Martin Luther 1521 vor dem Reichstag in Worms, als er sich vor Kaiser Karl V. zu seinen Schriften mit den Worten bekennt: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir. Amen.“ Die Rosette im Bogen des gotischen Fensters stellt die Wartburg in Eisenach dar. Das Fenster wurde im Jahre 1923 von dem Glasmaler und  Künstler Erich Klahn aus der Werkstatt Berkentin in Lübeck gestaltet und 2005 renoviert. Mehr über den Künster ist unter www.klahn-freundeskreis.de zu erfahren.

 

Die Holzdecke des Kirchenraumes und der Dachboden mussten ganz erneuert werden. Die Türen außer derjenigen zur Sakristei mussten neu hergestellt werden. Bohrungen gegen die Mauerfeuchtigkeit und das Verputzen der Wände sowie ein neuer Anstrich waren nötig. Aus Wesersteinplatten wurde ein neuer Fußboden gelegt. Als technische Neuerung erhielt die Kirche eine elektrische Glockenläuteanlage für drei Glocken und eine vollautomatische Ölheizungsanlage.

 

Bei den Bauarbeiten 1962 wurde ein alter Grabstein von 1776 entdeckt, der seinen Platz an der Leichenhalle fand.

 

1984 war es erforderlich, den Turm, dessen Höhe bis zum Kreuz mit 127 Fuß (= etwa 36 m) angegeben ist, auszubessern. Etliche Balken und ein Großteil der Verschalung waren schadhaft. Dazu kam, dass zahlreiche Schieferplatten abgefallen waren und weitere abzufallen drohten, weil die rostigen Nägel die Platten nicht mehr sicher hielten. Es erwies sich, dass die Eindeckung des Turmes mit Kupfer am günstigsten war. Die Schalllucken, mussten ebenfalls erneuert werden.

 

Unsere Kirche hat nicht nur durch den Zahn der Zeit Schaden genommen. Das Zeitgeschehen ging nicht spurlos an ihr vorbei. Sie blieb im Krieg allerdings von Bomben verschont. Die beiden Kriege unseres Volkes traf aber auch Sie.

 

1917 tauschten die größere der beiden Bronzeglocken und die 29 zinnernen Orgelpfeifen den Friedens- mit dem Kriegsdienst. Das war staatliches Gesetz.

1931 erwarb die Kirche zwei Glocken, eine größere als Ersatz für die im Krieg abgelieferte und eine kleinere, um ein Dreiklanggeläut zu haben. Zur Glockenweihe lud der Pastor damals mit dem Hinweis ein, dies sei ein Fest, das in Jahrhunderten kaum einmal vorkomme. Er ahnte nicht, dass 1942 wieder zwei Glocken für kriegerische Zwecke Verwendung finden sollten und schon 1953 zwei neue von Herrn Reemtsma aus Hamburg gestiftete Glocken aus Stahl geweiht würden.

 

So hat unsere Kirche innerhalb von 68 Jahren dreimal Glockenweihe gehabt. Gebe Gott, dass sich eine so wechselvolle Zeit nicht wiederholt. Möge der Kirche, der Welt und uns der Frieden erhalten bleiben. Mögen unsere Glocken noch lange ins Land schallen, wie sie es als Inschrift tragen:

 

1. Glocke (Bronze):

Ick will mahn ‘ii un ji schüllt kam ‘n.

Ick will mi röhr ‘n un ji schüllt hör ‘n.

Ick will klingen undji schüllt singen.

Ick will ropen toju ‘n Godd und ta ‘n Goden.

 

2. Glocke (Stahl):

Ehre sei Gott in der Höhe

 

3. Glocke (Stahl):

Friede auf Erden

 

Die Töne der Glocken sind cis, b und das tiefe g

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