SCHLIESSEN

Auf einen Blick

Suche

Die Kirchenfenster in der Klein Wesenberger Kirche

Fenster im Altarraum: Der auferstandene Christus (Foto: Erhard Graf)

Die Kirche Klein Wesenberg ist mit denkmalgeschützten Buntglasfenstern ausgestattet. Diese bedürfen dringend einer Restaurierung. 2005 wurde bereits

das „Lutherfenster“ an der Südwand (vom Eingang aus gesehen rechts) restauriert.

Das große Buntglasfenster, den auferstandenen Christus darstellend,  hinter dem Altar und

die beiden zweigeteilten Bildfenster an der Nordwand (vom Eingang aus gesehen links), welche im Fenster nahe dem Altarraum Paulus (mit dem Schwert) und Petrus (mit dem Schlüssel), und im zweiten Fenster Johannes (mit dem Kelch)  und Lukas (mit dem Buch) darstellen, 

bedürfen nun dringend der Restaurierung, um sie vor dem Verfall zu schützen. Daher hat der Kirchenvorstand Klein Wesenberg auf seiner Sitzung am 10. Juni 2008 die Restaurierung der Kirchenfenster beschlossen.

Petrus (mit dem Schlüssel) und Paulus (mit dem Schwert) (Foto: Erhard Graf)
Johannes (mit dem Kelch) und Lukas (mit dem Buch) (Foto: Erhard Graf)

1907 erhielt die Kirche einen neu gestalteten Altarraum, von dem nur noch die drei Kronleuchter und die von dem im damals deutschen Breslau (heute Wroclaw, Polen) lebenden Kunstmaler Robert Karl Pollog zwischen 1911 und 1923. stammenden zwei zweigeteilten Bilderfenster an der Nordwand vorhanden sind. Diese haben die Größe von 2,62 Meter Höhe und 1,18 Meter Breite.

Diese sollen vom Altarraum ausgehend darstellen: Im ersten Fenster Paulus (mit dem Schwert) und Petrus (mit dem Schlüssel), im zweiten Fenster Johannes (mit dem Kelch)  und Lukas (mit dem Buch). Doch das ist umstritten. So recht weiß das niemand.

Johann Sebastian Bach (Foto: Erhard Graf)
Das Musikfenster unter der Orgelempore (Foto: Erhard Graf)

Das dritte Fenster an der Nordseite gilt als das "Musikfenster". In der oberen Rosette, zur Orgel blickend ist ein Porträt von Johann Sebastian Bach dargestellt. In den beiden Fensterteilen unter der Orgelempore sind die Sprüche zu lesen aus dem 100. Psalm: "Jauchzet dem Herrn alle Welt. Dienet dem Herrn mit Freuden, kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken" und von Martin Luther: "Der schönsten und herrlichsten Gaben Gottes eine ist die Musica, damit man viel Anfechtung und böse Gedanken vertreibet"

Martin Luther vor dem Reichstag in Worms (Foto: Erhard Graf)

Auf der Südseite, direkt bei der Kanzel, befindet sich das sogen. Lutherfenster. Es zeigt Martin Luther 1521 vor dem Reichstag in Worms, als er sich vor Kaiser Karl V. zu seinen Schriften mit den Worten bekennt: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir. Amen.“ Die Rosette im Bogen des gotischen Fensters stellt die Wartburg in Eisenach dar. Das Fenster wurde im Jahre 1923 von dem Glasmaler und  Künstler Erich Klahn aus der Werkstatt Berkentin in Lübeck gestaltet und 2005 renoviert. Es hat die Größe von 2,62 Meter Höhe und 1,18 Meter Breite.

Wer noch mehr über den Künstler wissen möchte:

Klahn-Freundeskreis

 

 

 

 

Da die Restaurierungsarbeiten sehr kostenaufwändig sind, bittet der Kirchenvorstand  ganz dringend um Spenden.

 

Spendenkonto:

Kirche Klein Wesenberg,

Kto.-Nr. 14978; BLZ: 213 522 40

Sparkasse Holstein

- Stichwort: Kirchenfenster

Zu Gast im Glaskunst-Atlier Alex in Neumünster

 

Am 16. September 2008 haben sich einige Mitglieder des Kirchenvorstandes Klein Wesenberg auf den Weg nach Neumünster gemacht, um an Ort und Stelle Erkundigungen über den Fortgang der Restaurierungsarbeiten an unserem großen Buntglasfenster hinter dem Altar einzuholen. Dieses Fenster wurde 1962 von dem Künstler Siegfried Assmann aus Großhansdorf entworfen und eingebaut. Herr Alex, von Beruf Glasmalermeister, gab uns bereitwillig Auskunft über alle Fragen, die wir ihm stellten.

Zuerst wurde von jedem der 12 Bildteile, aus denen sich das gesamte Fenster zusammensetzt, ein Foto gemacht, um anschließend das Buntglasfenster wieder in seiner bisherigen Form zusammen setzen zu können.

Dann galt es, die ca. 3.240 Glasscheibchen vorsichtig aus den 12 Bildteilen der alten Bleiverglasung zu lösen und zu säubern. Dabei mussten ca. 40 bis 50 Glasscheibchen durch neue ersetzt werden. Mit einem Zeitaufwand von je zwei Tagen wird jedes dieser 12 Bildteile neu verbleit und anschließend mit Leinöl-Kitt abgedichtet.

6 Bildteile sind auf diese Weise schon wieder zusammengesetzt worden.

Die insgesamt 96 Eisen-Stege (je Bildteil = 8), mit denen die 12 Bildteile wieder zu einem großen Bild verbunden werden, mussten entrostet und neu gestrichen werden.

Das alles wird in geduldiger Handarbeit von Meister Alex geleistet. Er geht davon aus, dass das Fenster in der zweiten Oktoberhälfte des Jahres 2009 in der Kirche in Klein Wesenberg wieder eingesetzt werden kann.

Das große Kirchenfenster besteht aus 12 solchen Teilen (Fotos: Volker Rieck)
Mit 96 Eisen-Stegen werden die 12 Bildteile wieder zu einem großen Bildfenster verbunden
Das Fenster besteht aus ca. 3.240 Glasscheibchen, die vorsichtig gereinigt werden müssen
Meister Alex erläutert seine Arbeit

Der Blick zum Himmel ist wieder frei

Die Buntglasfenster kehren aus den Werkstätten der Restauratoren heim in die Klein Wesenberger Kirche. Das große Assmann-Fenster mit der Auferstehung Christi hinter dem Altar wird vor Ort aus zwölf Scheiben wieder zusammengesetzt. Die drei Seitenfenster – mit vier Aposteln – werden wie das bereits sanierte Luther-Fenster besonders geschützt: mit vorgesetztem Goethe-Glas.

von Brigitte Judex-Wenzel

KLEIN WESENBERG - „Mit maschinengezogenem Goethe-Glas“, unterstreicht Willi Etzel. Das bedeutet nicht etwa - wie der Laie sagen würde - dass die Oberfläche der Scheibe leicht geriffelt ist. Der Glasmalermeister aus der Fachwerkstatt Heinrich Oidtmann in Linnich (bei Aachen) lächelt: „Die Oberfläche ist bewegt“, heiße das in der Fachsprache. Geriffelt wäre für Fachleute gleichbedeutend mit beschädigt.

Wie auch immer: Goethe-Glas - das seinen Namen daher haben soll, dass auch Johann Wolfgang von Goethe einst mit „Wetterglas“ experimentierte, wie die frühen Barometer hießen - ist bei Kirchenrestaurierungen seit Jahren erfolgreich im Einsatz. Außen vor historische Fenster gesetzt, soll es vor schädlichen Umwelt- und Witterungseinflüssen ebenso schützen wie vor Erschütterungen, sogar durch Überschall. Die Struktur der Oberfläche verhindert, dass die Scheiben bei Sonneneinstrahlung wie ein Spiegel wirken.

In Klein Wesenberg waren es in vielen Jahrzehnten saurer Regen, Schadstoffe aus der Luft sowie Kondenswasser und nicht zuletzt die Kräfte von Winddruck und -sog, die die wertvollen Buntglasfenster zu zersetzen drohten. Im Juni vergab der Kirchenvorstand deshalb schweren Herzens Sanierungsaufträge im Gesamtwert von nicht weniger als 50000 Euro.

Das Altarfenster des Stormarner Künstlers Siegfried Assmann von 1962 - zeitgleich „wanderten“ die Apostelfenster von den Seiten des Altarraums an die Nordseite des Kirchenschiffs - blieb in der Region. Es ging in das Glas-Kunst-Atelier Alex in Neumünster. An dem Kunstwerk mussten vor allem die Bleistege erneuert werden, die die mehr als 3000 Einzelscheibchen zu zwölf Teilbildern aneinanderfügen, die zusammen das 2,50 mal 4,50 Meter große Kunstfenster bilden.

Vier Wochen länger als veranschlagt benötigten die Experten, um die „Glasscherben“, wie Meister Antonius Alex es ausdrückt, aus der alten Bleieinfassurig zu lösen. „In der alten Kittmasse war ein Härter“, erklärt der Chef. Einige wenige Einzelscheiben gingen deshalb zu Bruch, wurden durch neue ersetzt. Mit Leinölkitt klebten die Glaser die mit Spezialreiniger gesäuberten Scheibchen schließlich in die neuen Bleistege ein. Nicht, ohne zuvor alle zwölf Einzelfenster im Foto festgehalten zu haben - damit jedes Scheibchen wieder an die richtige Stelle kam.

Durch die Goethe-Außenverglasung brauchten die 1,20 mal 2,70 Meter großen Seitenfenster nicht neu verbleit zu werden. Die Spezialisten im fernen Linnich gaben den zwischen 1911 und 1923 im damaligen Breslau (heute Wroclaw, Polen) geschaffenen Apostelfenstern des Kunstmalers Robert Karl Prolog durch Messingrahmen und querverlaufende Windstege allerdings neuen Halt. Ebenso dem hell verglasten dritten Seitenfenster mit Sprüchen wie dem 100. Psalm. An den großflächigen Glasmalereien der Apostelfenster musste relativ wenig nachgemalt werden. Höchst vorsichtig erfolgte die Reinigung der Scheiben vom Schmutz der Jahrzehnte, der sich zu einer Kruste verfestigt hatte. „Wir haben mit Wattebauschen gearbeitet‘ sagt Willi Etzel.

Den klaren Durchblick genießt Küster Manfred Hoch als erster. Stück für Stück wachsen die restaurierten Fenster in die bis vor Tagen noch verbretterten Fensteröffnungen. Stück um Stück sollte auch das Spendenkonto Kirchenfenster“ (Sparkasse Holstein, Bankleitzahl 213 522 40, Konto 149 78) wachsen, wünscht sich der Kirchenvorstand. 20000 Euro kommen aus Denkmalpflege-Mitteln und von kirchlichen Stellen. Die Baurücklage der Gemeinde soll möglichst für die Dacherneuerung geschont werden.

 

aus: „Lübecker Nachrichten“ vom 16.10.2008

Die verkrustete Schmutzschicht ist entfernt. Der Blick durch die historischen Fenster der Klein Wesenberger Kirche ist wieder frei. Vor die drei Fenster der Nordseite des Kirchenschiffs setzen Die verkrustete Schmutzschicht ist entfernt. Der Blick durch die historischen Fenster der Klein Wesenberger Kirche ist wieder frei. Vor die drei Fenster der Nordseite des Kirchenschiffs setzen die Fachleute eine Schutzverglasung. (Fotos: Judex-Wenzel)
Glasmalermeister Hermann Josef Nettekoven bei Außenarbeiten
Für die Einbauarbeiten sind die Fensterbereiche der Kirche hoch über der Trave eingerüstet. Links sorgt Glasmalermeister Willi Etzel für die Befestigung der Schutzverglasung
Die farbigen Apostelfenster haben ihren angestammten Platz - den Platz seit 1962, denn bis das Assmannfenster kam, saßen sie rechts und links seitlich des Altars
Meister Antonius Alex (li.) und Küster Manfred Hoch begutachten den Fortschritt beim Wiederaufbau des großen Aßmann-Fensters, das sich aus zwölf Bildteilen zusammensetzt