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Bericht der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft e.V.
- Region Norddeutschland -
Klaus Letule´, Lore Kreutzer vom 29.12.2007:
3 Tages-Etappen auf dem Baltisch-Westfälischen Pilgerweg (Via Baltica) von Lübeck bis Kayhude (ca 63 km), dem Beginn des Alster-Wanderweges, mit Fortsetzung nach Hamburg und Wedel/Holst.
Diese vorläufige und kurze Beschreibung soll zunächst denjenigen dienen, die das Pilgern von 1 bis 3 Tagen auf dieser reizvollen Strecke ausprobieren wollen.
Wer weiter geht, hat 18 km dem Alster-Wanderweg folgend nach Hamburg Poppenbüttel und weitere 20 km zur Hauptkirche St. Jakobi vor sich, s. Punkte 4-6.
1. Lübeck - Reinfeld (Holstein) 23 km
2. Reinfeld – Bad Oldesloe 12 km
3. Bad Oldesloe – Benediktinerkloster Nütschau 6 km
4. Kloster Nütschau – Grabau – Sülfeld – Kayhude 22 km
5. Kayhude – Hamburg-Poppenbüttel 18 km
6. Hamburg-Poppenbüttel – Hamburg Zentrum (Hauptkirche St. Jakobi) 20 km
7. Hamburg Zentrum – Wedel 25 km
Allgemein: Unser Jakobsweg folgt oft dem Hanseatenweg der Naturfreunde, Wegzeichen: Kogge mit ‚stürmischem Schwan‘ im Segel. Ebenso nutzt er den Stormarner Wanderweg: Gelber Pfeil. Diese Wanderwege sind in beide Richtungen markiert. Unser Zeichen: die stilisierte gelbe Pilgermuschel vor blau, fällt nur dem westwärts gehenden Pilger ins Auge. Die beschriebene Strecke (Pkt 1-3) wurde im Juli 2007 ausgeschildert.
Empfehlenswert: Wander- und Freizeitkarte des Landesvermessungsamtes Schleswig-Holstein, Blatt 9, Bad Segeberg - Lübeck ISBN 3-89130-289-4.
Und festes Schuhwerk! Stellenweise wird der Weg zum Pfad, bei Regen schlammig und rutschig. Da ist der Pilgerstab von Nutzen.
Evtl. Jugendherbergsausweis
Auf die Sehenswürdigkeiten / Besonderheiten am Weg wird hingewiesen, Details sind vor Ort zu erfahren.
1. Lübeck – Reinfeld (Holstein) 23 km
In der alten Hansestadt Lübeck mit den aus dem Häusermeer aufragenden 7 Kirchtürmen der Altstadt – die die Geschlossenheit ihres mittelalterlichen Stadtkerns bewahren konnte – sind es vom Hauptbahnhof 1,5 km bis zum Lübecker Dom (13. Jhd.). St, Jakobi (14. Jhd.) findet man entgegengesetzten Ende des Viertels.
Am Dom fällt spätestens der Aufkleber mit der gelben stilisierten Jakobsmuschel auf blauem Grund (10 x 10 cm) am Laternenmast auf. Von jetzt an gilt es ‚Augen auf‘, um sicher aus Lübeck geführt zu werden. Zunächst der Trave-Kanal zur linken Hand, ab der Possehlbrücke auf gut 4 km zur rechten.
In Moisling passieren wir den größten jüdischen Friedhof Schleswig-Holsteins (seit 1650) mit mehr als 1000 Gräbern (Grabsteine mit eingemeißelten, verwitterten langen hebräischen und teilweise deutschen Inschriften). Eine hohe Mauer schützt ihn zur Strasse hin, man kann ihn umgehen, von der Rückseite sind viele Grabsteine gut sichtbar.
Nach 2 km schlichter Wohnstrasse erwartet uns die Natur.
Etwa 1,5 km schlängelt sich der Weg, der zum Pfad wird, durch Buchenwald, mit Blick auf die Trave. Durch Felder, den Ort Reecke nach Klein Wesenberg, wo ich einige Störche schweben sah, einen auf dem Kirchdach sitzend. Der leider verstorbene ‚Krimipastor‘ Christian Uecker begeisterte seine Gemeinde für ‚Kirche aktiv‘, d.h. für ihre finanzielle Unabhängigkeit. Sein schlichtes Grab liegt hinter der Kirche neben einer Stele. Memento mori! (Kirche von 1884, Kalksandsteintaufe 13. Jhd./Gotland. Taufschale / Messing mit eingraviertem Sündenfall, 16./17. Jhd.).
Jetzt heißt es mit dem Bürgersteig vorlieb nehmen bis nach Groß Wesenberg, wo wir bis hinter die Autobahnunterführung gezwungen werden, etwa 300 m am linken Straßenrand zu laufen. An der Straßengabel dort geht es eine wenig befahrene Straße weiter und vor ein paar neuen Einfamilienhäusern links wieder ins Grüne: Ein Spazierweg um Stubbendorf herum. An der großen Straßenkreuzung nach 100 m nach links wenden, und dann vorsichtig die Straßenseite wechselnd, um dann in einen Spazierweg auf der rechten Straßenseite zu kommen. Wir haben Reinfeld erreicht und gehen, mal links, mal rechts, in eine Straße biegend auf das Bahnhofsgelände zu. Reinfeld ‚Karpfenstadt‘, diverse Teiche und Mauerreste sind Zeugen eines Zisterzienserklosters (1186 – 1582). Mathias-Claudius-Kirche (1836, hölzerner Taufengel, Grabsteine der Äbte). Der Dichter Mathias Claudius (Der Mond ist aufgegangen....) wurde 1740 zu Reinfeld als Sohn des dortigen Predigers geboren.
Auskunft über www.reinfeld.de . Zeltplatz beim Freibad, Tipp: Übernachtung im Hotel Seeblick, Ahrensbökerstr. 4, für 24 € im Doppelzimmer: Tel.: 04533 1423. Empfehlenswert das italienische Lokal ‚La Osteria‘. Evtl. Pilgerunterkunft im Gemeindehaus: Pastor Berger Tel.: 04533 1425.
2. Reinfeld – Bad Oldesloe 12 km (Als Probetour zu empfehlen)
Wer am Bahnhof Reinfeld ankommt, folgt dem Muschelaufkleber bis zum Anschluß an den ‚Jungfernstieg‘. Dort geht es am Neuhöfer Teich vorbei zu Rathaus und Kirche, die geöffnet ist und zur Besinnung einlädt. Hinunter zum Großen Herrenteich, der Klosterstraße folgend (rechts der Hausgrabenteich) zu einer Kreuzung, wo uns der Dröhnhorster Weg bald in Feld, Wiese und Wald führt. Auf und ab geht es, mal rechts, mal links, bis wir in den Kneedenwald und an seinem Saum, die B75 überquerend zur Trave kommen. Die schlängelt sich dahin. Wir gelangen an ihr entlang in den alten beschaulichen Ortskern von Bad Oldesloe mit geschlossener bürgerlicher Bebauung (19./20. Jhd. nach einem Stadtbrand). Marktplatz und Rathaus (1799-1806, beides von C.F. Hansen). Wir biegen links in einen Privatweg am bewegten Zusammenfluss von Trave und Beste. Dahinter das ‚Lübsche Haus‘ dem ehemaligen Umschlagplatz für Waren, die auf der Trave von und nach Lübeck getreidelt wurden. Nicht weit zum Kirchberg: An der Stelle des heutigen Gotteshauses Peter und Paul (1757 – 1764, reichhaltiges Inventar 16. – 18. Jhd.), bis 15-30 Uhr geöffnet, errichtete Vicelin Mitte des 12. Jhd einen Vorgängerbau. An die Vergangenheit des 1813 eröffneten heilkräftigen Solebades erinnert die im Kurpark aufgestellte Wanne. Vom Kirchberg zum Bahnhof sind es noch 10 – 15 min. – für diejenigen, die nach Hause wollen. In Bad Oldesloe gibt es eine empfehlenswerte Jugendherberge am Konrad-Adenauer-Ring.
3. Bad Oldesloe – Benediktinerkloster Nütschau 6 km
Anreisende sehen gegenüber dem Bahnhofsausgang unser Muschelzeichen neben dem Info-Stand. Geradeaus zunächst, dann etwas im Zick-Zack durch die beschauliche Innenstadt, der Weg führt schließlich durch den Bürgerpark zum Konrad-Adenauer-Ring durch eine Unterführung und gleich links zur Jugendherberge. Rechts davon geht es zur Trave hinunter und ihr folgend und auf das Muschelzeichen achtend – denn es gibt Weggabelungen – und man kommt abkürzend durch ein kleines Wohnviertel zum Brenner Moor, ein seltenes Naturdenkmal. Der lange Bohlenweg stört ebenso wenig wie die Trave bei Hochwasser, die 150 m Wanderweg und ein Stück Straße dahinter überschwemmen kann. Mit Wanderstiefeln kein Problem, sonst laufe man barfuß durch das Wasser – ist nicht ein trockenes Handtuch im Rucksack?* Dann noch 3 km durch Feld und Wald und wir erblicken die große Klosteranlage Nütschau (ehemaliges Herrenhaus, Dreigiebelbau, 1577-1578). Entdecken Sie dort das ewige Jerusalem: Die Mönche geben gern Auskunft , nehmen Sie sich Zeit für ein Stundengebet mit Ihnen.
*Bei kaltem Wetter könnte das abgesackte, überschwemmte Wegstück zu einem Problem werden. Daher folgende Alternative wählen: In Bad Oldesloe am Übergang der Trave bei der ‚Gloriamühle‘ den Pegelstand ablesen: Ist er höher als 6,40 m über NN, dann links der Jugendherberge auf dem Konrad-Adenauer-Ring bis zur Schützenstraße weitergehen, ihr rechts folgen, auf dem Radweg etwa 2 km nach Wolkenwehe (so umgeht man das ‚Brenner Moor‘) und hier rechts die Straße ‚Zur Grünen Brücke‘ hinunter, dort, wo bei einer Weggabel unser Muschelzeichen nach links zeigt – noch 3 km zum Kloster.
Benediktinerkloster Nütschau: Unterkunft nach telefon. Anfrage beim Jugendhausteam St.Benedikt bzw. Bruder Johannes, Tel.: 04531 5004158, e-mail team@jugendhaus-sankt-benedikt.de .
In der Nähe Reste des Limes Saxoniae – Sachsenwall – (9. – 10. Jhd.) am Steilufer der Trave.
4. Kloster Nütschau – Grabau – Sülfeld – Kayhude 22 km
Nach Wiesen, Feld und Wald passiert man in Tralau eine Kirche mit weißem Portal (1961, Altar von 1690). Die Friedhofskapelle in Grabau, 1910 als Gutskapelle aus Muschelkalk mit gotischen und Jugendstilformen erbaut, liegt etwas abseits. Sie ist einmalig in Schleswig-Holstein (Schlüssel bei Familie Ramm). Das Herrenhaus stammt aus den Jahren 1908 – 1910.
Übernachtungsmöglichkeiten in Grabau direkt am Weg bei Familie Ramm, Harry-Ring 3, Tel.: 04537 423. Max. 4 Pilger à 5 € ohne Bettwäsche und Frühstück.
Am Grabauer See bietet eine Räucherei leckere Forellen an. Es geht auf einem aufgelassenem Bahndamm – zeitweise Obstlehrpfad mit Raritäten – in das Kirchspiel Sülfeld (erstes schriftliches Zeugnis 1207) mit mehrfach baulich veränderter Kirche, wohl des 16. Jhd., mit älteren Mauerpartien. Sie ist im Sommerhalbjahr stets geöffnet. Bemerkenswert die alten Grabsteine, das nahe Pastorat (1773), ‚die Remise‘(1835). Überregionale Bedeutung erlangte der Ort durch den wassergebundenen Handelsverkehr zwischen den Hansestädten Lübeck und Hamburg (getreidelt und gestakt in ca.7 Tagen) über die Flüsse Alster (Norder)Beste und Trave in der Zeit von 1529 – 1549, um die gefährliche Schiffsroute über Skagen, den hohen dänischen Zoll und den beschwerlichen Landweg (sandig/hügelig) zu umgehen.. Von den großen zu überwindenden Höhenunterschieden zeugt z.B. die ehemalige Schleusenanlage in der ‚Pastoratsschlucht‘. Geologische Gegebenheiten führten rasch zu einer Versandung. Das Bauwerk umfasste bei einer Länge von 91 km, Breite 14 m, Tiefe 1,7 m, 23 Schleusen und 26 Brücken. Nur 8 km waren künstlich herzustellen. Gegenüber der Kirche geht unser Weg südwestwärts am gegrabenen historischen Abschnitt durch das Nienwohlder Moor zum Gut Stegen. Kurz davor die durch Gräben unterteilte ehemalige Festungsanlage (13./14. Jhd.) des Raubritters Johann v. Hummelsbüttel, im Volksmund ‚Düwelsbarg‘ genannt. Gut Stegen (Hofladen mit Cafeteria) und Kayhude folgen. Hier endet die Buslinie 8140 (Bad Oldesloe – Grabau – Sülfeld und umgekehrt). Die Linie 7550 von Bad Segeberg führt von hier aus weiter zum U-Bahnhof Hamburg Ochsenzoll.
Am ‚Alten Heidkrug‘ vorbei beginnt nach dem Ortsausgangsschild links der Alsterwanderweg mit dem ‚P‘ im gelben Pfeil Richtung Poppenbüttel – ab hier gibt es keine Pilgerwegzeichen mehr.
5. Kayhude – Hamburg-Poppenbüttel 18 km
Über den Alsterwanderweg gelangt man nach Poppenbüttel mit S-Bahn-Anbindung zur Innenstadt. In der Nähe der Rader Schleuse vorzeitliche Grabanlagen. Die Alster und die gelben Pfeile - bis Ohlstedt mit einem ‚O‘ versehen – dem Lauf der Alster folgend, bleiben unsere Wegzeichen bis in die Innenstadt.
6. Hamburg-Poppenbüttel – Hamburg Zentrum (Hauptkirche St. Jakobi) 20 km
Auf dem Alsterwanderweg kommen wir nach Hamburg-Winterhude. Gönnen wir uns den Abstecher zur nahen Johanniskirche! Die weiteren Straßen ins Zentrum heißen: Leinpfad, „Fernsicht“, „Bellevue“, rechts in die Fährhausstr., „Schöne Aussicht“, Schwanenwik, „An der Alster“, links in die Schmilinskistr., nach 200m rechts in die „Lange Reihe“ (wo es links zur kath. Domkirche geht), Ernst-Merck-Str. (links der Hbf), Georgsplatz, Lilienstr., Mönckebergstr. - und wir erreichen unser Ziel in Hamburg: Die Hauptkirche St. Jacobi, geöffnet bis 17-00 Uhr.el. des Kirchenbüros: 040 3037370, Fax: 040 30373710, e-mail: info@jacobus.de
7. Hamburg Zentrum – Wedel 25 km
Der Wegverlauf ab St. Jacobi: Steinstr., Speersort (St. Petri), Rathausstr. (Rathaus), Gr. Johannis-Str., „Börsenbrücke“, Trostbrücke, Ruine St. Nikolai, Hopfenmarkt, Willy-Brand-Str., Ludwig-Erhard-Str., (re: die kath. Akademie und der „Kleine Michel“), der „Große Michel“, Engl. Planke, Hohler Weg, Ditmar-Koel-Str. (mit den skandinav. Kirchen), Landungsbrücken... Aus der Stadt heraus führt der Europäische Fernwanderweg, Kennzeichen Andreaskreuz. Ihm folgt man nach dem alten Elbtunnel, der Hafenstraße zum Fischmarkt und weiter Elbe abwärts bis Blankenese. Von Blankenese bis zum Leuchtturm Wittenberge richtet man sich nach dem ‚We‘ auf gelbem Pfeil. Bei der Wegteilung am Leuchtturm nimmt man die Mitte: Den anfangs gepflasterten ‚Otto-Schokoll-Höhenweg‘ (Aussicht auf Elbe und Elbinseln) der vor dem Heizkraftwerk Wedel endet. Man muß es umgehen (15 min.). Dann erreicht man schnell die Schiffsbegrüßungsanlage Schulau und danach den Fähranleger ‚Lühe-Schulau‘. Dort setzt man auf die andere Seite der Elbe nach Lühe über.
In Lühe kann sich der Pilger in Umgehung der Stadt Stade für die Fortsetzung Horneburg – Issendorf – Harsefeld entscheiden. Hier können wir uns wieder nach dem Muschelzeichen richten, das uns den Windungen der Lühe entlang nach Horneburg führt. Pilgern mit Fahrrad empfiehlt Ingeborg Helms, ab Lühe dem alten Ochsenweg zu folgen, der über Horneburg, Bremervörde nach Bremen Nord führt. Ab Horneburg stehen preisgünstige Pilgerunterkünfte zu Verfügung. Info: ing.helms@t-online.de
Unsere Internetseite www.jakobswege-norddeutschland.de wird laufend aktualisiert.
Klaus Letulé
Lore Kreutzer
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