Pilgertour und Schildenthüllung zur Einweihung

 von Brigitte Judex-Wenzel
KLEIN WESENBERG - Seit April ist das Wegestück Lübeck-Hamburg freigegeben. Am Sonnabend, 15. August, sowie am Sonntag, 16. August, werden mit einem Fest in und um St. J akobi in Lübeck die 1600 Kilometer langen Norddeutschen Pilgerwege für Jakobspilger feierlich eröffnet. Nach dreijähriger Entstehungsphase sind diese Wege - darunter die Via Baltica von der Insel Usedom über Lübeck und Stormarn nach Westfalen - in ihrer Gesamtheit fertig. Bei all dem ist Klein Wesenberg mit seiner Kirchengemeinde mittendrin.
Diese Kirchengemeinde machte mit Hamberge und Zarpen als „KircheAkktiv" schon 2005 Schlagzeilen. Noch vor dem allgemeinen „Pilger-Boom" unternahmen Kirchenaktive zu Fuß und per Rad eine 1000 Kilometer lange Pilgerreise auf selbst gewählten Strecken in die Luther-Stadt Wittenberg. Seitdem pflegt die Gemeinde unregelmäßig Pilgerläufe, -wanderungen und -ausflüge. Weil Klein Wesenberg zufällig genau an der Via Baltica liegt, ist das Gemeindehaus inzwischen sogar eine Pilgerstation mit Pilgerherberge. Da ist eines klar: Auch von hier macht sich eine Gruppe auf den (Jakobs)Weg zum Feier-Wochenende in Lübeck.
Wer möchte, kann mitkommen -und zwar schon am Freitag, 14. August. Das funktioniert so: Um als Pilger rechtzeitig zum Fest-Wochenende in Lübeck zu sein, setzen sich Hamburger Teilnehmer an dem Freitag in ihrer Hansestadt in den Zug und fahren nach Reinfeld. Die fünf Kilometer von dort nach Klein Wesenberg legen sie zu Fuß zurück. Hier ist eine längere Rast mit Kirchenführung vorgesehen. Danach macht sich die Gruppe auf die etwa 13 Kilometer Pilgerweg nach Lübeck, zur Jakobi-Kirchengemeinde. Klein Wesenbergs Pastor Erhard Graf und weitere Pilgerfreunde der Umgebung schließen sich an. Wer dies auch tun möchte, sollte ab 12.30 Uhr am Gemeindehaus sein, in dessen Obergeschoss sich übrigens (die LN berichteten) die Pilgerherberge befindet.
Nach dem Start Richtung Lübeck erwartet die Gruppe nach rund einem Kilometer eine erste kleine feierliche Zeremonie. Die politische Gemeinde Klein Wesenberg lässt es sich nicht nehmen, die Pilger zu grüßen. An diesem Tag in Person von Bürgermeister Herbert David und anderen Offiziellen. Genau das will sie künftig aber auch ohne „Abgeordnete" bei jedem einzelnen Pilger tun. Dies geschieht in Form eines Schildes, das genau an der Grenze zu Lübeck errichtet und am 14. August enthüllt wird.
Die Wallfahrer ziehen dann weiter auf Lübecker Stadtgebiet. Ob das Wandern dort die reine Freude sein wird, liegt für Pastor Erhard Graf im Ungewissen. Bereits voriges Jahr hatte er über die „Region Norddeutschland" in der Deutschen Jakobusgesellschaft versucht, das Lübecker Forstamt zu besserer Pflege des Wegeabschnitts im Niendorfer Forst an Lübecks Ortsende beziehungsweise im Lübecker Stadtteil Reecke zu veranlassen. Damals führte dies dazu, dass eine Ausnahme von der neuerdings offenbar geübten Praxis gemacht wurde, kein Geld mehr für Wanderwege auszugeben.
Anfang Juni 2009 meldete Graf den Lübecker Stellen direkt, dass der zuletzt gut begehbare Weg - der auch von den Naturfreunden Deutschland genutzt wird und bei diesen „Hanseatenweg" heißt - wieder fast unpassierbar geworden sei. Bei mehreren Stürmen und wohl auch durch Blitzeinschlag waren zwei Birken und zwei Buchen quer über den Weg gefallen, wie der Pastor bei einer Pilgerführung von Lübeck nach Klein Wesenberg festgestellt hatte. Dieser Tage teilte er nun den LN mit, dass immer noch keine Aufräumarbeiten stattgefunden hätten. „Schade, es ist eigentlich der schönste Wegabschnitt", findet Graf. Offenbar wüssten die Lübecker Ratsherren nicht, dass Reecke ein Ortsteil von Lübeck ist.
Die Angelegenheit sei schon fast peinlich für Lübeck, das Schnittpunkt der Jakobswege Via Baltica, Via Jutlandica und Via Scandinavica ist und somit auf dem von der Hansestadt noch 3500 Kilometer langen Jakobsweg nach Santiago de Compostela internationale Bedeutung erlangt.
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