
Probe für das Brückenfest in Klein Wesenberg. Die Bürgermeister Herbert David (re) und Karin Dettke mit Pastor Erhard GrafKirchspiel-Lauf und Kino:
Ein Fest für eine Brücke
„Hol över“ – so, genau wie früher, als es nur per Fähre über die Trave ging, erklingt es für einen Tag bald wieder in Klein Wesenberg. Die Kirchengemeinde feiert Mitte April „Brückenfest“.
VON BRIGITTE JUDEX-WENZEL
Pastor der Kirchengemeinde Klein Wesenberg, dass die direkt unterhalb der Klein Wesenberger Kirche gelegene Brücke über die Trave im April 2010 genau 100 Jahre alt wird. Als er bei weitergehenden Studien im Kirchenarchiv herausfand, dass gar nicht die Brücke selbst dieses Jubiläum hat, sondern die Umgemeindung Groß Wesenbergs in das Kirchspiel Klein Wesenberg, machte das gar nichts. Keiner der Mitorganisatoren sah einen Grund, das bereits grob geplante Brückenfest abzusagen. Denn: Nur der 1901 erbauten Brücke ist es zu verdanken, dass die Groß Wesenberger am 1. April 1910 von der einen einstündigen Fußmarsch entfernten Kirchengemeinde Reinfeld zur Kirchengemeinde Klein Wesenberg wechseln durften. In kurzen zehn Fußminuten gelangten die Groß Wesenberger jetzt bequem zu der Kirche, die sie zwar immer schon vor Augen hatten, von der sie jedoch durch die Trave abgeschnitten waren.
Deshalb wird am Sonnabend, 17., sowie am Sonntag, 18. April, die hundert auch die ein paar Jahre ältere Brücke – die damalige Holzbrücke ist inzwischen durch ein Betonbauwerk ersetzt worden – gefeiert.
Am Sonnabend sind Läufer, Radfahrer und Walker beim Kirchspiel-Lauf auf unterschiedlichen langen Strecken durch die Dörfer der Kirchengemeinde willkommen. Anmeldungen sind bis eine halbe Stunde vor Start (erster Start 12.45 Uhr am Kirchberg Klein Wesenberg) möglich. Die längste Strecke beträgt genau 16,09344 Kilometer, weshalb die Veranstaltung den Namen „Zehn-Meilen-Kirchspiel-Lauf“ trägt. Am Abend, ab 19 Uhr, wird die Kirche zum Kino. Auf Großbild-Leinwand wird der Film „Die Heiden von Kummerow“ gezeigt. „Er schildert humorvoll das Leben auf dem Land vor hundert Jahren“, kündigt der Pastor an.
Ein Gottesdienst am Sonntag ist eine Selbstverständlichkeit –wenn auch die erste Idee, ihn mitten auf der Brücke zu begehen wegen des Aprilwetter-Risikos fallen gelassen worden ist. Um 11 Uhr zerschneiden die Bürgermeister Herbert David (Klein Wesenberg) und Karin Dettke (Wesenberg) auf der Brücke symbolisch ein Freigabe- Band. Danach geht es in die Kirche. Dem Gottesdienst schließt sich ein Frühschoppen im Festzelt auf dem „Dreieck“ an, der Fläche am unteren Ende des Kirchbergs. Für die Kinder wird ein Unterhaltungsprogramm vorbereitet.
Kleine und große Festbesucher können nachempfinden, wie es war, als die Trave einst nur in einer Fähre überquert werden konnte. Jahrhunderte lang mussten sich Menschen, die ans andere Ufer wollten, mit einem Boot übersetzen lassen. „Hol över“ mussten die Groß Wesenberger Passagiere rufen, wenn sie die Dienste des in einem Häuschen auf Klein Wesenberger Seite lebenden Fährmanns in Anspruch nehmen wollten. Die Klein Wesenberger Feuerwehr spielt den Fährbetrieb mit Seil und Boot nach, wer möchte, darf mitfahren.
Viele Vereine und Vereinigungen der Kirchspiel-Dörfer sind an der Organisation beteiligt. An beiden Tagen ist für Verköstigung zu familienfreundlichen Preisen gesorgt. Die Startbedingungen für den Lauf können unter Tel. 045 33/14 16 im Kirchenbüro erfragt und unter www.kirche-kleinwesenberg.de nachgelesen werden
aus: „Lübecker Nachrichten“ vom 08.04.2010, Seite 15
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