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21.11.2010: Beschwingt in die Weihnacht


Der neu formierte Kirchenchor Klein Wesenberg bei der ersten Probe des Oratoriums mit Orgel in der Kirche (Foto Brigitte Judex-Wenzel)

Beschwingt in die Weihnacht

 

Wie Phönix aus der Asche hat sich die Kantorei Klein Wesenberg in zwei Jahren neu gefunden – und führt jetzt sogar das Weihnachtsoratorium von Saint-Saëns auf.

 

VON BRIGITTE JUDEX-WENZEL

 

KLEIN WESENBERG – A-allee-luia. Schlusschor des „Oratorio De Noël“, des Weihnachtsoratoriums von Camille Saint-Saëns. „Lasst Euch Zeit, genießt es“, bittet Christoph Jacobi die Sängerinnen und Sänger des Kirchenchors der Kirchengemeinde Klein Wesenberg. Sie sollen noch einmal absetzen, eine gedankliche Zäsur machen, neu einatmen und das letzte Alleluia des zehnsätzigen Werkes breit singen. „Brrr“, stöhnt Doris David auf, nachdem dies in der Wiederholung geklappt hat, lässt sich auf einen Stuhl fallen. Alle lachen. Sind erschöpft, aber auch froh. Wenn auch noch nicht hundertprozentig zufrieden.

 

Die Szene spielte sich jetzt bei der ersten Probe mit Orgelbegleitung in der Kirche ab. Hier hatte der, wenn alle da sind, 26-köpfige Chor das weltweit erfolgreiche Oratorium seit Juni geprobt, war zum Herbst ins warme Gemeindehaus umgezogen, wo jetzt noch weiter gefeilt wird, bis sich am Sonnabend, 4. Dezember, Chor und Leiter, Organist, Solisten und Orchester zur Generalprobe treffen, um am Sonntag, 5. Dezember, schließlich beim ersten ganz großen Konzert des neu formierten Kirchenchors die Geschichte von der Geburt Jesu Christi zu singen und zu spielen.

 

Im November 2008 trat ein Rest-Häufchen sangesfreudiger Ex-Mitglieder an, um den aufgelösten Chor wiederzubeleben. Ein neuer Chorleiter war bereits gefunden: Christoph Jacobi, heute 26 Jahre alt und damals wie heute Student der Kirchenmusik an der Musikhochschule Lübeck. Das Repertoire sollte eine Mischung aus „schon anspruchsvoll, aber auch mit bekannten Kirchenliedern – Ohrwürmern – und Gospels“ sein,wie Alt-Sängerin Brigitte von Papen es ausdrückte. Neue Mitsänger folgten dem Aufruf.

 

Inzwischen gestalten sie besondere Gottesdienste musikalisch aus. Ob zur Konfirmation oder an Pfingsten im Festzelt des Schützenvereins. Dann kam Christoph Jacobi mit der Idee, „sein Chor“ könnte das Weihnachtsoratorium von Saint-Saëns einstudieren. Leichter als das von Bach, aber doch eine Herausforderung. Begeistert nahmen die Sängerinnen und Sänger an. Der Förderverein „Musik vor Ort“ und der Kirchenvorstand – von Papen ist Vorsitzende – gaben das finanzielle Okay, außerdem werden die Besucher des eintrittsfreien Konzerts um eine Spende gebeten. Für Soloparts und Orchesterbegleitung müssen Profisänger und -musiker bezahlt werden, fast alle Studienkollegen Jacobis oder ehemalige.

 

Für die Laien des Chors mit einer guten Altersmischung von 30 bis 71, vom Single zur Großmutter, ist das melodiöse Alleluia des bedeutenden französischen Komponisten des 19. Jahrhunderts längst Ohrwurm. „So schön, so leicht, so beschwingt“, findet die Klein Wesenbergerin von Papen das lateinische Weihnachtsoratorium mit Texten des Neuen und Alten Testaments. „Es ist ein ganz großer Spaß“, schildert Elke Schick (Hamberge) das Singen in der Chorgemeinschaft. Wie sie, ließ sich Gesine Dobs (Groß Wesenberg) vom Weihnachtsoratorium locken, beide bleiben wohl als Dauersängerinnen hängen. Wegen der wunderbaren Chorgemeinschaft. Und auch wegen der angenehmen Art von Christoph Jacobi, der selbst dann, wenn er klare Worte spricht, weil etwas auch beim dritten Mal nicht klappt, „liebevoll“ bleibt, findet Gesine Dobs.

 

Gleich vor zwei Jahren nutzte „Küken“ Britta Andresen aus Klein Schenkenberg den Neustart, knüpfte an schöne Zeiten im Kinder und Jugend-Kirchen-Chor Zarpen an. Damals ließ sich auch Ernst Rabe aus Klein Wesenberg, einer von fünf Chor-Männern, überreden. Er hat es nie bereut. Das können am 5. Dezember nach dem letzten Alleluia bestimmt alle Mitwirkenden des Weihnachtsoratoriums sagen – erschöpft und dann auch rundum zufrieden.

 

aus: „Lübecker Nachrichten“ vom 21.11.2010 (Regionalausgabe Stormarn, Seite 14)


Einer von mehreren Unterstützern des Kirchenchores beim Konzert am 5. Dezember. Organist Sven Fanick

Ein Gentlemen mit Taktstock. Der junge Chorleiter Christoph Jacobi überträgt seine Begeisterung auf den Chor

Wie alle mit Ehrgeiz und vollem Einsatz beim Weihnachtsoratorium dabei. Doris David, Astrid Böttcher und Hilde Möller (von links)