
Modell vor den Kirchenmauern. Obwohl erst 15 Jahre alt, weist die Außentreppe bereits Schäden durch Feuchtigkeit auf. (Foto Schlüter-Hürdler)Wasserschäden am Klein Wesenberger Wahrzeichen
von Frauke Schlüter-Hürdler
Sie ist das Schmuckstück der Gemeinde. Hoch oben auf dem Kirchberg ist sie schon von weitem zu sehen - die Klein Wesenberger Kirche. Doch der Schein trügt. Das weiß auch Pastor Erhard Graf. Bekümmert umrundet er das Wesenberger Wahrzeichen. Überall sind die Schäden ganz offensichtlich.
Der Zahn der Zeit nagt an dem Backsteinbau - Grund ist vor allem die Feuchtigkeit. In ein bis zwei Metern tiefe verhindert dichter Lehmboden das Durchsickern des Wassers in die Erde. "So bleibt es auf dem Kirchberg immer feucht, obwohl es so aussieht, als könne das Wasser ganz leicht den Berg hinunterfließen", erklärt Graf. Doch das Gegenteil ist der Fall: Es staut sich rund um die Kirche und frisst sich so langsam aber sicher in das Mauerwerk. Hinzu komme, so der Pastor, dass die hohen Bäume mit ihren Wurzeln das Wasser wieder aus dem Boden zögen, so dass noch mehr Nässe entstünde.
Noch vor Beginn der 60er Jahre stand kein einziger Baum auf dem Kirchberg. "Die Leute haben damals aus Erfahrung gewusst, warum sie dort nichts gepflanzt haben", sagt Graf. Dann begann man, den Kirchgarten zu verschönern, pflanzte Bäume und Büsche direkt an der Kirche. "Es sollte alles schön aussehen" sagt Pastor Graf. Aber die Folgen sind heute, fast 50 Jahre später, fatal und bedeuten für die Kirchengemeinde ein sehr hohes Sanierungsaufkommen, das aus eigenen Mitteln nicht zu bewältigen ist.
Inzwischen sind schon einige Bäume gefällt worden, weitere müssen der Motorsäge noch zum Opfer fallen, damit die Feuchtigkeit endlich eingedämmt werden kann. Rundherum befinden sich weitere hohe, alte Bäume, sowie der angrenzende Kirchwald, die natürlich alle bestehen bleiben. "Es handelt sich nur um Bäume und Sträucher direkt am Gotteshaus", betont der engagierte Pastor. Längst hat der unhaltbare Zustand Spuren am Mauerwerk hinterlassen. Es bilden sich Flechten, Moose und Schimmel, die Außenwände sind im unteren Teil begrünt.
Auch innen macht sich die Feuchtigkeit längst breit. Anstatt des gut durchlüfteten ursprünglichen Bodens wurden in den 60er Jahren Steinplatten gelegt, die zwar schön aussehen, jedoch die Feuchtigkeit stauen. "Im Innenholz wurden überall Schimmelsporen gefunden, auch die Orgel ist betroffen", erzählt Graf. Die seien zwar noch nicht gesundheitsschädlich, aber es dürfen auf keinen Fall mehr werden. Der muffige Geruch beweist, dass es in der Kirche kaum eine Lüftungsmöglichkeit gibt. Auch die Außentreppe zur Kirche weist tiefe Risse auf, obwohl sie erst 15 Jahre alt ist.
Ein Expertengutachten unter Aufsicht eines renommierten Architekten bewies, dass die Befürchtungen des Kirchenvorstandes durchaus keine leeren Worte sind und brachte zudem die Erkenntnis, dass die Behebung der Schäden durch bessere Belüftungsmöglichkeiten, wie Deckenventilatoren und Kippfenster, Baumfällung, Reparaturen am Mauerwerk und einer Drainage rund um die Außenmauern rund 200 000 Euro kosten wird. Hinzu kommt die komplette Neudeckung des Schindeldaches, das in den letzten 20 Jahren zwar immer mal wieder ausgebessert, aber nie erneuert wurde. "Der reinste Flickenteppich", sagt Graf und deutet sorgenvoll auf das Dach. Allein die Dacheindeckung mit Erneuerung der Schiefersimse kostet noch einmal 200 000 Euro. Eine immense Summe, die aber aufgebracht werden muss, um die schöne Kirche zu erhalten und langfristig gegen weitere Schäden zu sichern.
"Die Sanierung der Orgel und der Innenanstrich sind noch das kleinste und günstigste Übel", meint Graf. Er ärgert sich darüber, dass in den 60er Jahren, als noch genügend Geld vorhanden war, statt der Kirchensanierung der Bau eines viel zu großen und schlecht isolierten Gemeindehauses und Pastorates in Angriff genommen wurde, anstatt die Mängel an der Kirche gründlich zu beheben. Die Bausünden der 60er Jahre - heute müsse die Kirchengemeinde darunter leiden.
"Leider haben wir in unserer Gemeinde mit ihren 1500 Mitgliedern keine großen Sponsoren, die uns unterstützen könnten", bedauert Graf. Die Zeiten, als 1953 der damalige Gutsherr in Trenthorst die Glocken erneuern ließ, sind leider vorbei. Klein Wesenberg sei eben ein zwar flächenmäßig großes, aber im Vergleich zu einer Stadt kleines Kirchspiel. Trotzdem hofft er natürlich, dass eine Finanzierungslösung gefunden wird. Noch in diesem Jahr sollen Anträge an die Stiftung Denkmalpflege und andere Institutionen gestellt werden.
aus: „Stormarner Tageblatt“ vom 12. Juni 2010
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