Pastor Erhard Graf wird am 1. Mai in einem Gottesdienst aus der Gemeinde verabschiedet

Pastor Erhard Graf hat manch einen Wechsel in seinem Lebensweg bewältigt. Jetzt verlässt er die Philippus-Gemeinde in Klausdorf, um eine neue Gemeinde zu übernehmen. (Foto: Reinhard Kauffeld)Von Reinhart Kauffeld
KIEL - Nach zwei Jahren in der Philippusgemeinde in Klausdorf- jetzt Schwentinental - wird Pastor Erhard Graf im Gottesdienst zu Christi Himmelfahrt am Donnerstag, 1. Mai, um 10 Uhr aus der Gemeinde verabschiedet.
Graf hatte in der Philippusgemeinde eine halbe Pfarrstelle, ergänzt durch zusätzliche Aufträge in Dietrichsdorf, Schönkirchen und anderen Gemeinden. Alle Bemühungen, auf Dauer eine ganze Stelle zu schaffen, sind gescheitert, so dass Graf sich nach einer anderen Pfarrstelle umsah. Jetzt wird er die Pfarrstelle in der Kirchengemeinde Klein Wesenberg-Hamberge, süd-östlich von Lübeck übernehmen.
Aufgewachsen ist Erhard Graf in der ehemaligen DDR. Nach einer Ausbildung als Mess- und Regeltechniker erwarb er sich die Hochschulreife. Wäre es nach dem Willen der Eltern gegangen, hätte sich ein Ingenieurstudium anschließen sollen. Doch durch die Teilnahme an der „Christenlehre“, den Kontakt zur „Jungen Gemeinde“ und einen „tollen Jugendpfarrer“ entschied sich Graf für die Theologie. Die Einschränkungen, die hiermit verbunden sein würden, nahm Graf wohl wissend in Kauf, denn zu dieser Zeit war das Ende der DDR ja noch keineswegs abzusehen.
Pastor Graf leistet sich den Luxus einer eigenen Meinung
Bis 1993, also noch vier Jahre nach dem Mauerfall, widmete sich Graf einer kleinen Gemeinde in der Nähe von Weimar. Eher durch Zufall wechselte er dann zur Militärseelsorge in der Marine nach Kiel, später Eckernförde. Sein Aufgabengebiet war die Betreuung der Mannschaften von U-Booten, der Gorch Fock und von Spezialkräften der Marine. Eigentlich sollte dieses Engagement nur zwei Jahre dauern, doch dann sind es zwölf geworden. Heute sagt Graf von sich selber, dass ihm sein „pastorales Ostprofil“ und sein langjähriger Einsatz als Militärpastor in der Marine nicht nur Freunde eingebracht haben. Doch als Langstreckenläufer, der im Mai seinen zehnten Marathonlauf in Luxemburg bestreiten will, sieht Graf dies gelassen. „Ich bin halt evangelisch und leiste mir den Luxus, eine eigene Meinung zu haben“, sagt der jetzt 54-jährige Seelsorger.
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